Allergie
auf Insektengift
Bienen- und Wespenstiche können tödlich enden
An
einem lauen Sommerabend brannte es plötzlich im
Oberschenkel von Hans D. Eine Wespe hatte ihn beim
Spazierengehen gestochen. Dem Stich schenkte er keine große
Bedeutung, da die Einstichstelle nicht sonderlich schmerzte.
Einige Minuten später verspürte Herr D. plötzlich ein
starkes Hitzegefühl. Seine Hände und Füße begannen zu
jucken. Ihm wurde übel, schwindelig und schwarz vor Augen.
Zehn Minuten nach dem Wespenstich brach er zusammen –
Kreislaufstillstand. Ein Notarzt musste ihn wiederbeleben
und künstlich beatmen. Herr D. erwachte auf der
Intensivstation. Der Wespenstich hatte so fatale Folgen,
denn Herr D. reagierte allergisch auf das Insektengift.
Bis
zu fünf Prozent der Bundesbürger reagieren nach Auskunft
von Allergologen auf Bienen- und Wespengift mit Symptomen
wie Juckreiz, Hautausschlag, Atemnot, Zittern, Schwindel, Übelkeit,
Erbrechen oder sogar einem lebensbedrohlichen allergischen
Schock. Allergie-Experten empfehlen für sie dringend eine
spezifische Immuntherapie (Allergie-Impfung). Die
Immuntherapie mit modernen, molekular standardisierten Präparaten
kann Patienten schon nach kurzer Dauer gegen das
Insektengift unempfindlich machen. Sie ist bei nahezu 100
Prozent der Patienten erfolgreich. „Bisher werden leider
immer noch viel zu wenige Insektengift-Allergiker mit einer
spezifischen Immuntherapie behandelt“, bedauert Professor
Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher
Allergologen (ÄDA). „Viel zu viele Patienten müssen
dadurch in ständiger Angst vor dem nächsten Stich
leben.“
Bei
auffälligen allergischen Reaktionen nach einem
Insektenstich muss sofort ein Notarzt gerufen werden. Bis zu
seinem Eintreffen sollte der Betroffene flach mit leicht
hoch gelagerten Beinen liegen. Verliert er das Bewusstsein,
sollte man ihn in die stabile Seitenlage legen, mit einer
leichten Decke zudecken und seine Atmung kontrollieren.
Setzt diese aus, muss sofort mit einer Herzdruckmassage und
Beatmungsmaßnahmen begonnen werden.
Besteht
der Verdacht auf eine Insektengift-Allergie, ist unbedingt
ein allergologisch geschulter Facharzt aufzusuchen. Dieser
kann feststellen, ob sich der Verdacht bestätigt und dann
den Betroffenen ausführlich über Schutz- und Therapiemaßnahmen
beraten. Zur Sicherheit sollte jeder Insektengift-Allergiker
ein Notfallset bei sich tragen. Es enthält ein
Antihistaminikum, ein Kortisonpräparat und Adrenalin in
Form eines Sprays. Zusätzlich ist eine spezifische
Immuntherapie unbedingt erforderlich.
Um
einen Insektenstich zu vermeiden, rät Volker Mauss vom
Zentrum für Wespenkunde in Michelfeld: „Auch wenn es
schwer fällt: Bewahren Sie Ruhe bei der unmittelbaren
Anwesenheit von Bienen und Wespen. Durch hastige Bewegungen
und dunkle Farben fühlen sich die Tiere leicht bedroht.“
Außerdem sollten Speisen und Getränke im Freien immer
abgedeckt sein. Beim Barfußlaufen ist darauf zu achten,
dass Bienen Blüten aufsuchen und Wespen häufig im Boden
nisten.
Hans
D. kann die Sommermonate inzwischen wieder sorgenfrei genießen.
Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus hatte er eine
spezifische Immuntherapie begonnen. Durch regelmäßige
Injektionen kleiner Mengen des Insektengiftes wurde er
langsam an die allergieauslösende Substanz gewöhnt. Ein in
der Klinik durchgeführter, kontrollierter Wespenstich hat
ihm schließlich gezeigt, dass er keine Angst mehr vor
Wespen haben muss: Außer einem leichten Jucken und
Anschwellen der Einstichstelle blieb die so genannte
Stichprovokation folgenlos.
ÄRZTE
FÜR TIERE e. V. verfolgt zwei grundsätzliche Ziele:
den politischen Tierschutz und die Förderung tiergestützter
Therapieformen.
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