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Bei
Insektengift-Allergien wird die Spezifische Immunotherapie (SIT) viel
zu selten durchgeführt
Allergische
Reaktionen gegen Insektenstiche sind
besonders in der warmen Jahreszeit aufgrund ihrer Häufigkeit
und ihrer Gefährlichkeit ein noch immer vielerorts unterschätztes
Problem. Selbst viele
Ärzte sind sich der Gefahr nicht immer bewußt, in der ihre gegen
Wespen- und Bienenstiche allergischen Patienten bei jedem Aufenthalt
im Freien schweben. Obgleich es immer wieder zu in der Öffentlichkeit
vielbeachteten Todesfällen kommt, wird die ausgezeichnet wirksame
Spezifische Immunotherapie noch immer viel zu selten angewandt. Um
herauszufinden warum dies so ist, trafen sich in diesem Frühjahr in
Bamberg Allergieexperten
aus Österreich, der Schweiz und aus Deutschland zum Dritten
Arbeitsgespräch "Insektengift-Allergie". Die
Veranstaltung wurde von der Firma Scherax finanziell unterstützt.
Alle sachkundigen
Wissenschaftler sind sich heute zwar einig, daß
Insektenstichallergien sehr häufig sind und oft nicht rechtzeitig
erkannt werden - wie oft sie in
der Bevölkerung aber tatsächlich vorkommen ist selbst
spezialisierten Ärzten unbekannt. Daher wurde von den Teilnehmern
des Arbeitsgesprächs eine repräsentative Umfrage sehr begrüßt,
die im Auftrag der Firma Scherax vom EMNID Institut durchgeführt
worden war.
Insgesamt wurden
15.000 Personen interviewt - 10.000 Fragebögen konnten schließlich
ausgewertet werden. Dabei zeigte sich, daß in der
wissenschaftlichen Literatur in den unterschiedlichen Ländern eine
Häufigkeit von 0,4 bis 5 Prozent angegeben wird. Bei der
EMNID-Umfrage wurde deutlich, daß diese Zahlen auch auf Deutschland
zutreffen. Bei der Auswertung der Statistik zeigte es sich nämlich,
daß 57% der Befragten bereits einmal von einer Biene oder Wespe
gestochen worden waren. Von
diesen gaben wiederum 32 Prozent einen Stich und 68 Prozent mehrere
Stiche an.
Von den gestochenen
Befragten gingen erstaunlicherweise nur 7 Prozent zum Arzt.
In diesen Fällen handelte es sich jeweils zur Hälfte um
Bienen- und Wespenstiche. Dies war für die in Bamberg versammelten
Experten nicht ganz nachvollziehbar, da allgemein bekannt ist, das
Wespen deutlich häufiger stechen als Bienen. Von den Ärzten wurde
daher auch der Verdacht geäußert, daß viele Gestochene
wahrscheinlich aufgrund des Schrecks nicht in der Lage sind, die
Insektenarten zutreffend zu unterscheiden. Hornissenstiche spielen
dagegen laut Umfrage aufgrund ihrer Seltenheit eine zu vernachlässigende
Rolle.
Rechnet man die
Ergebnisse der Befragung auf die Gesamtbevölkerung über 14 Jahre
hoch, so ergibt sich der Schluß, daß es in Deutschland vermutlich
etwa 600.000 Insektengift-Allergiker gibt. Das entspräche einer Häufigkeit
von 1,2 Prozent. Die Untersuchung belegt in erster Linie, daß bei
der Bevölkerung ein ganz erhebliches Aufklärungsdefizit besonders
über die Möglichkeiten der Langzeittherapie durch
Hyposensibilisierung bzw. der mit der Erkrankung verbundenen
Gefahren besteht.
In der Diskussion
zeigte es sich, daß man in Deutschland aufgrund einer
Insektengift-Allergie pro Jahr mit etwa zehn gemeldeten Todesfällen
rechnen muß. Die Dunkelziffer dürfte aber - da waren sich
die Experten einig - deutlich höher liegen. In der viel kleineren
Schweiz müssen nämlich jährlich bereits etwa 6 bis 8 Opfer dieser
Allergieform beklagt werden, während erstaunlicherweise in Österreich
seit zehn Jahren keine Todesfälle gemeldet wurden. Über die Jahre
hat sich in den Statistiken immer wieder gezeigt, daß Männer - wie
bei allen Allergien - häufiger betroffen sind als Frauen. Dies dürfte
daran liegen, daß sich Männer aus beruflichen Gründen häufiger
im Freien aufhalten als Frauen.
In Bamberg war von
dem Zoologen V.Mauss, Ulm, zu erfahren, daß die meisten Insektenstiche im
September und Oktober zu beobachten sind. Eine genaue Analyse des
Stechverhaltens der Bienen und Wespen hat außerdem gezeigt, daß
diese unter anderem durch Parfüm, Haarspray und Schweiß angelockt
werden. Der
Insektenexperte riet den anwesenden Allergologen daher, bestimmte
Verhaltensregeln an ihre Patienten weiterzugeben. Dazu gehörte
unter vielen anderen Punkten die Mahnung, bei bestehender
Insektengift-Allergie im Freien möglichst keine schwarzen Kleider
oder solche mit geblümten Mustern zu tragen und nicht barfuß zu
laufen. Bei zu weitem Schnitt der Kleider können sich die Insekten
darüber hinaus in den Falten der Kleidungsstücke verfangen und
werden so zusätzlich zum Stich gereizt.
Dr.Reinhart
Jarisch, Universitäts Hautklinik Wien, ging auf die seit vielen
Jahren in Fachkreisen diskutierte Frage ein, ob es auch eine
Allergie gegen Ameisenbisse und Mückenstiche gibt. Genaue
Untersuchungen haben jetzt gezeigt, daß es sich bei den Reaktionen
auf Mückenstiche nicht etwa um ein durch Gift ausgelöstes,
toxisches Geschehen handelt, sondern tatsächlich um eine echte
Allergie. Im Gegensatz zu den Allergien gegen Wespen- und
Bienengift, sind bisher allerdings noch keine Todesfälle nach Mückenstichen
beschrieben worden. Auf die Frage nach der Wirksamkeit von Vitamin B
zur Verhinderung von Mückenstichen meinte Dr. Jarisch, daß diese
durchaus denkbar sei. Während allerdings bisher eine wirklich überzeugende
Vorbeugung eher unwahrscheinlich zu sein scheint, kann eine
Hyposensibilisierung durchaus ins Auge gefaßt werden.
Ist es einmal zu
einem bedrohlichen Zwischenfall nach Insektenstich gekommen, so
legen Ärzte und Patienten verständlicherweise großen Wert auf
eine in die Zukunft gerichtete Risikoabschätzung. Leider ist diese aber
mit den vorhandenen Methoden bis heute nicht möglich.
Dr.M.Kiehn,
Universität Hamburg Eppendorf, teilte ihren Kollegen mit, daß nach
ihrer Erfahrung ein fortgeschrittenes Lebensalter keine
Kontraindikation für die SIT darstellt.
Im Laufe von 12 Jahren wurden an der Uni-Hautklinik etwa
2.000 über 60jährige Patienten hyposensibilisiert - im Regelfall
mit erstaunlich gutem Erfolg.
Im Zuge der
weiteren Veranstaltung trug Professor G.Forck, Universität Münster, wissenschaftliche Daten vor, die sich mit der in der
Vergangenheit immer wieder diskutierten Frage beschäftigten, ob
Bienengift tatsächlich - wie immer wieder behauptet wird - zur
Behandlung von Rheuma eingesetzt werden kann. In
Münster an
Versuchstieren und an Rheumapatienten durchgeführte Untersuchungen
haben jetzt eindeutig
gezeigt - so Professor Forck -
daß ein solch positiver
Zusammenhang tatsächlich besteht. Für die Zukunft ist daher
wahrscheinlich, daß spezielle Inhaltsstoffe des Bienengifts
isoliert werden und in Reinform zur Behandlung von rheumatischen
Entzündungen eingesetzt werden können.
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